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Street View: Widerspruch einlegen oder Widerspruch zum Widerspruch einlegen?

street-view-carDie Diskussion um Google Street View dominiert derzeit die Technologie-Berichterstattung. Die Street View-Verteidiger freuen sich, dass die Technologie bald endlich auch das Herumfahren durch deutsche Großstädte ermöglicht. Datenschützer bemängeln hingegen, dass der Vorab-Einspruch gegen Street View nur in der Ferienzeit möglich wäre. Wir sagen, wie man der Aufnahme des eigenen Hauses bei Street View erreicht werden kann, aber auch — warum man sich das noch einmal überlegen sollte und wie man einem solchen Einspruch mit einem Augenzwinkern widersprechen kann.

Zunächst einmal: Wer widersprechen will, dass sein Haus bei Google Street View auftaucht, kann das ab dem 17. August tun über google.de/streetview tun. Das Einspruchstool ist mindestens 4 Wochen zugänglich. Man kann aber auch schriftlich Widerspruch einlegen. Dazu reicht eine kurze E-Mail an streetview-deutschland@google.com oder ein formloser Brief an

Google Germany GmbH
betr.: Street View
ABC-Straße 19
20354 Hamburg

Wer nicht weiß, was man schreiben soll, die Anwaltskanzlei Ferner hat ein PDF veröffentlicht, das man nur ausdrucken, ausfüllen und abschicken muss.

Kostenloser Download: Google Street View-Widerspruch (PDF)
Ausdrucken, ausfüllen, abschicken

Trotzdem sollte man es sich gut überlegen, gegen Street View zu widersprechen. Denn die derzeit verbreitete Panik wird meiner Meinung nach dem Sachverhalt nicht gerecht. Was ist dran an Street View? Für die einen handelt es sich um einen praktischen Dienst, der die Orientierung in unbekannten Gegenden einer Stadt, die Urlaubsplanung oder die Wohnungssuche erleichtert. Für die anderen ist es das apokalyptische Instrument des Datenkraken Paul Google zum Erlangen auch des letzten Rests von Informationen über jeden Bürger. Politiker, die dem Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung, zum elektronischen Personalausweis und zum SWIFT-Abkommen zum Ausliefern von Kontodaten mit den USA unkritisch zugestimmt haben, sind plötzlich kredible Datenschützer, die vor dem allumfassenden Datenhunger Googles den warnenden Zeigefinger heben. Unisono wird von Mitgliedern des Bundestags, die gerne mal unliebsame Gesetze zur Fußball-WM durchwinken, kritisiert, dass Google die Einspruchsfrist auf die Ferienzeit legt, was nur sehr begrenzt stimmt, wenn man sich die Ferientermine mal genauer ansieht. Bürger posieren für ein Zeitungsfoto vor ihrem Haus stehend und äußern ihre Bedenken dagegen, dass das Bild ihres Hauses bei Street View öffentlich zugänglich ist. Mitglieder des Bundestags äußern sich bestürzt darüber, dass Google zeige, mit welcher Kleidung sie aus dem Haus gängen.


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Haus in Street View: Eine Einladung für Einbrecher?

Den Gipfel der Paranoia besteigen jene, die in Street View ein Werkzeug des Terrorismus und marodierender Einbrecherbanden sehen. Solche Dinge gibt es, aber kein Einbrecher und kein Terrorist, der seine Untat plant, wird eine sorgfältige Observierung des beobachteten Objekts durch eine Street View-Recherche ersetzen können. Wer hingegen Angst hat, dass Daten zur eigenen Person mit Informationen zum Wohnmilieu verknüpft werden, dürfte sich wundern, wenn er erführe, was schon längst in mehr oder weniger obskuren Datenbanken gespeichert ist. Man braucht kein Street View, um zu wissen, dass in Berlin-Zehlendorf mehr zu holen ist als Neukölln.

Hier ein Gedankenbeispiel: Was, wenn Google Street View tatsächlich einfach nur ein weiterer cooler Google-Dienst ist, der das Leben erleichtert, Städte aus der Ferne im wörtlichen und übertragenen Sinne erfahrbar macht? Bevor man sein Haus nun durch Google verfremden lässt, sollte man zumindest das in Betracht ziehen.

Deutschlands Social Media-Guru Sascha Lobo hat ganz in diesem Sinne einen Formbrief zum Widerspruch gegen den Widerspruch erstellt. Ob der Gehör finden wird, ist zwar zu bezweifeln. Trotzdem – ein netter Gag und ein Dokument mit guter Argumentation.

Wir vom LoadBlog machen keinen Hehl daraus, dass wir Street View positiv gegenüberstehen. Aber was meint ihr – ist für euch Google Street View ein Eindringen in die Privatsphäre, ein Risiko für den Datenschutz? Lasst ihr euer Haus tilgen? Lasst uns diskutieren – in den Kommentaren.

Foto “Street View Car”: byrion (cc)



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  • Peter

    Typisch Deutsch! So eine bescheuerte Diskussion gibts auf der ganzen Welt nur hier…… Selbst in China kann man sich z.B. die Umgebung seines Hotels vorher ansehen! Unglaublich, wie doof wir eigentlich sind!!! Wenn jemand persönlich an meinem Haus vorbeifährt – kann ich das dann auch verhindern???

  • Peter

    Nur die “Ewg-Gestrgen” wollen den Fortschritt verhindern. Dies View ist doch eine tolle Ergänzung zu einer Autoroute, man kann sich schon vorab die/den Ort anschauen wo man rastet.
    Nur wer nicht “Astrein” ist hat was zu verbergen und ist gegen Google-View!

  • http://www.schmidt9-speaks.net schmidt9

    Die Diskussion um Streetview zeigt meiner Meinung nach drei Dinge:
    1. wie wenig deutsche Politiker von neuen Medien verstehen (über die sie nichtsdestotrotz aber andauernd reden),
    2. wie krank in Deutschland das Verhältnis der Politik zum Datenschutz ist – Streetview hat nichts mit Persönlichkeitsrechten zu tun (dazu gab es vor kurzem auch einen dankenswert soliden Beitrag bei SpiegelOnline); der öffentliche Raum in Deutschland ist von allen möglichen Ecken und Enden her bereits sehr umfangreich abgebildet und im Netz recherchierbar; dagegen nimmt es der deutsche Steuerbürger und Telekommunikationskunde hin, daß seine Steuer-, Einkommens-, Biometrischen-, Bank- und Kommunikationsverbindungsdaten durch den Staat vergleichsweise einfach auszuforschen sind und z.T. sogar außerhalb Deutschlands abgefragt werden dürfen – und
    3. dem sehr verschlossenen Verhältnis der Deutschen, insbesondere ihrer Politiker vor neuen Entwicklungen. Statt in Streetview die Chance zu sehen, sich als z.B. Urlaubsziel perfekt zu präsentieren, auswärtigen Freunden den Weg zum eignen Heim zu erklären, andere virtuell an Orte zu entführen, an denen man mit ihnen zusammen nicht sein konnte uvm. schlägt wieder einmal vollkommen übertriebene Paranoia durch.

    Kennzeichen und Gesichter auf Googles Streetview-Dienst sind tatsächlich Dinge, die über das Persönlichkeitsrecht geschützt werden müssen und auch sind. Bei einem so umfangreichen und noch dazu kostenlosen Dienst jedoch jegliches Potential und jeden Kundennutzen zu verkennen und eine fadenscheinige, von Politikern gesteuerte Scheindebatte über Datenschutz zu führen ist scheinheilig. Persönlichkeitsrechte und Datenschutz sind an anderen Stellen der Gesellschaft weitaus stärker gefährdet als durch Streetview.
    Ich wage mich sogar soweit vor zu behaupten, daß wer sich heute aus Streetview streichen läßt es u.u. schon bald bereuen wird – denn es wird kommen wie es bei neuen Technologien immer kam: wer sich einer sinnvollen neuen Technik aus kleingeistigen, kurzfristigen Gründen verweigert, der verpaßt den Anschluß an die Zukunft.

  • Christian

    Street-View hilft doch bei der Vor-Auswahl, wo sich eine Observation lohnen würde – sogar in anderen Städten, was mir Geld und Zeit spart. Ich kann bereits da erkennen, wie zugänglich ein Haus ist, ob es nicht-einsehbare Stellen gibt – und das alles zum Nulltarif, ich brauche mich erstmal nicht aus dem Haus zu bewegen.
    Natürlich werden die Bilder nicht jährlich aktualisiert, doch das gilt auch für die Häuser selbst, denn kaum einer hat so viel Geld, sein Haus großartig zu verändern.
    Dazu kommt, dass die Häuser usw. nur für die Internet-Darstellung verpixelt werden, nicht aber die Originale bei Google in Amerika. Hmm … und darauf habe ich keinen Einfluss.
    Dass Google keine Scheu hat, alles Mögliche auch gegen mein Einverständnis abzuspeichern, haben sie schon mehrfach bewiesen. Anscheinend sieht es “Deutschlands Social Media-Guru Sascha Lobo” anders – ist er vielleicht Google-Mitarbeiter?
    Ich habe jedenfalls einen Widerspruch eingelegt. Eben weil ich nicht einsehe, Google zu unterstützen. Und übrigens: Meine Freunde brauchen keine Ansicht meines Hauses. Und die anderen? Die brauchen es auch nicht. Ganz einfach.

  • Christian

    “der verpaßt den Anschluß an die Zukunft.” …

    Darüber kann ich nur müde lächeln.
    Umgekehrt kann ich auch an vielen “fortschrittlichen” Dingen belegen, dass sie unsere Zukunft bereits zerstören. Wenn man vorher mal sein Hirn eingeschaltet hätte, dann hätte man manche Folgen besser abschätzen können.
    Es siegt doch nicht der Schnellste, sondern der Intelligenteste, der auch mal nachdenkt, bevor er “ja” sagt. Nein, man muss aus Fortschrittsgründen, um eben nicht den Anschluss zu verpassen, zu allen Neuerungen “Ja” sagen – sonst ist man ja ein Ewig-Gestriger. Äußert man Bedenken, dann ist man sowieso schon als verkalkt abgeschrieben.

    Wie viele Leute haben sich bereits geärgert, weil sie zu lässig mit ihren Daten umgegangen sind. Und es waren gewiss nicht die Ewig-Gestrigen, sondern moderne, aufgeschlossene, “fortschrittliche” Menschen. *lol*

  • Anne

    Ich habe einige Zeit in einem Land gelebt, wo es StreetView schon gab, und es sehr zu schätzen gelernt. Wohnungssuche, Wegbeschreibungen, Ausflugsplanung u.v.a.m… plötzlich so viel einfacher. Hier in Deutschland fehlt es mir sehr.
    Kritiker und Ängstliche sollten vielleicht mal in z.B. UK nachsehen, was alles zu erkennen bzw. nicht zu erkennen ist. Google Earth im Vergleich ist viel privatsphäreneinsichtiger, dennoch längst akzeptiert.

    Die allgemeine Streetview-Paranoia erinnert sehr an die weißen Flecken und fehlenden Straßen in den DDR-Landkarten… irgendwie liebenswert-lächerlich.

  • Walter Thälert

    Schade, dass diese Diskussion beiderseits so zu polarisierender Verbitterung neigt. Auf der einen Seite die Gegner, die sich überwiegend mit ihren Argumenten tatsächlich als nicht ausreichend informiert entlarven (wie etwa folgender Bildblog-Artikel zeigt http://www.bildblog.de/21374/die-schlechtesten-gruende-gegen-street-view/), auf der anderen Seite die Anhänger, denen jede Entwicklung wünschenswert erscheint, solange Fortschritt drüber steht. Für mich sind sowohl der Nutzen, als auch die Gefahren die sich aus Street View ergeben, bei weitem überschätzt. Die Art der Auseinandersetzung behagt mir auch nicht. Aber wenn tatsächlich nach umfassender Information noch immer Unbehagen bei einigen vorherrscht, dann muss dies auch respektiert werden, egal ob man es selbst nachvollziehen kann, zumal der Verlust durch verpixelte Häuser in meinen Augen kein großer ist. Aus medienanalytischer Perspektive ist hingegen tatsächlich interessant, dass sich Google Street View, nicht zuletzt wegen der Skepsis gegenüber dem allgegenwärtigen “Daten-Kraken”, für eine ausführliche Diskussion über den Datenschutz eignet, der sowohl auf den Nutzen als auch auf die berechtigten Einwände der Datenschützer weitaus bedeutendere “Zensus 2011″ hingegen bei weitem nicht so große Wellen schlägt. Vor diesem Hintergrund wäre es interessant zu ergründen, worum es den Diskutanten hier eigentlich geht. Ich für meinen Teil möchte mir nicht anmaßen, dieses einseitige Agenda-Setting einem einzelnen Akteur wie “der Politik” zuzuschreiben (alternativ auch “die da oben”). Da ergibt sich gewiss bei näherem Hinsehen ein komplexeres Bild, das aber sicherlich einen genauen Blick wert wäre.

  • Helmut

    “Google” hat nicht nur mit dem Erfassen von Funkdaten gezeigt wie vertrauenswürdig die Firma ist.
    Warum zeigen die Kameras, dank ihrer Höhe, Dinge die ein Fussgänger nie zu Gesicht bekäme?
    Nix gegen Fotos von Sehenswürdigkeiten, Hotels etc.. Meinetwegen können sie auch Plattenbauten und andere anonyme Scheusslichkeiten ablichten. Bei kleineren Wohneinheiten hingegen hört für mich der Spass auf.
    Muss man wirklich alles machen, nur weil es geht?

  • http://www.loadblog.de Frank

    Ich denke, du zeichnest hier aber auch ein vereinfachtes Bild der Diskutanten. Mir persönlich gefällt Street View nicht einfach nur aus der Tatsache heraus, dass es sich um eine den wie auch immer gearteten Fortschritt umarmende Technologie handelt. Mag sein, dass der Nutzen, abgesehen von einigen wenigen Anwendungsfällen (Wohnungssuche, Nostalgieauffrischung, Orientierung, Terrorvorbereitung) gering ist, aber Nutzen muss ja nicht nur ökonomisch definiert sein. Für mich ist Google Street View meist einfach “nur” interessant – fremde Städte und Länder vom Schreibtisch aus kennenlernen. Gestern habe ich mir zum Beispiel ein Bild von Liverpool gemacht, wo ich noch nie gewesen bin. Dank Street View kann ich mir die Stadt ein wenig vorstellen.

    Im Feld der Wissenschaft kann ich mir vorstellen, dass Stadtplaner, Architekten, Historiker usw. Street View sogar fachbezogen einsetzen können. Aber davon ab, sehe ich die politisch geführte Diskussion über Street View als Platzhalter. Der Versuch einiger Politikern, unter Zuhilfenahme medial geschürter Paranoia – sowohl bezogen auf Street View, als auch auf Google allgemein – sich auf dem Datenschutzfeld zu profilieren, wo ja zuletzt einiges an Boden verloren wurde.

    Dein Kritikpunkt bezügl. “der Politik” ist ein bisschen zu einfach, da gebe ich dir recht. Ich habe aber keine Politikeraussage gesehen, die dezidiert Pro-Street View Stellung bezieht. Es ging mir im obigen Rant aber auch auch nicht um einzelne verpixelte Häuser, sondern um die Bigotterie einiger Philister, die mir den Zugang zu digitalen Technologien versperren wollen, die ich gerne nutzen möchte.

  • http://www.loadblog.de/software/google-street-view-in-deutschland-gestartet-so-funktionierts/ Google Street View in Deutschland gestartet – so funktioniert’s • LoadBlog – Das Download-Magazin

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