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Google Scribe: Im Deutsch-Test durchgefallen
Wie funktioniert die Wortvervollständigung?
Zunächst einmal zur Funktion. Wer Google Scribe nutzen möchte, kann dies am einfachsten auf der eigens eingerichteten Google Scribe-Website machen. Dort erwartet den User ein weißes Webformular, das sich beinahe über die gesamte Website zieht, nebst einigen rudimentären Bearbeitungsfunktionen. Die Seite ist zwar englisch, erkennt aber auch alle anderen unterstützten Sprachen automatisch. Grundsätzlich erinnert die Wortvervollständigung natürlich an den „Erfinder“ OpenOffice.org bzw. deren Äquivalente in zahlreichen Smartphone-Betriebssystemen mit Android, Apple- oder Phone 7-Betriebssystem. Systemweit kann man bei Windows die Funktion z.B. auch mit dem für Privatanwender kostenlosen Tool PhraseExpress nachrüsten. Im Gegensatz zu diesen allen fehlt Google Scribe aber eine entscheidende Fähigkeit, nämlich die zu lernen und sich individuell auf den Nutzer einzustellen. Die Tipps zieht Google jedesmal nach statistischer Häufigkeit von den Google-Servern. So habe ich natürlich keine Chance der Tipphilfe meinen nicht alltäglichen Nachnamen „beizubringen“ oder andere seltene, von mir aber häufiger genutzte Fachworte.
Google Scribe, Chrome Extension und Bookmarklet
Neben der Website selbst, die vermutlich eher selten aufgesucht werden dürfte, da man in anderen Textprogrammen komfortabler schreiben kann, gibt es auch eine Erweiterung für Chrome und ein Bookmarklet, die nach der Installation die Scribe-Funktion in allen Webformularen ermöglichen soll. Das Bookmarklet ließ sich leider in meinem Firefox 4 zunächst nicht installieren, bzw. konnte installiert werden, dann wurde das Google Scribe-Icon in der Toolbar aber nicht angezeigt. Ans Laufen gebracht habe ich das Bookmarklet schließlich auf die klassische Weise, indem ich den Link direkt in die Lesezeichen-Leiste gezogen und dort die Hilfe bei Bedarf per Klick aktiviert habe.
Die Google Chrome Extension bietet derzeit noch keine Unterstützung für Deutsch und wurde daher für den Test nicht beachtet. In der Zeit hat sich Tina Klopp die englische Wortvervollständigung aber schon einmal genauer angesehen und sich auch einige Gedanken aus sprach- bzw. kulturphilosophischer Sicht dazu gemacht.
Der Schreibtest
Anders als bei “lernenden” Wortvervollständigungssystemen tauchen die richtigen Worte oft erst an späterer Stelle auf. Um diese auszuwählen, muss man aber jedesmal die Hand weit nach rechts bewegen. Dabei kommt man – zumindest als 10-Finger-System-Tipper – jedesmal aus dem Konzept und lässt es deshalb schnell wieder. Zudem verwirren die schnell und mit jedem Tastenanschlag wechselnden Vorschläge, da sie das Textfeld sehr unruhig machen. Im Gegensatz zu anderen Kritikern konnte ich mich nicht über zu langsam ladende Vorschlaglisten beklagen, dennoch tippe ich zu schnell, als dass ich von den Vorschlägen hätte profitieren können. Nun komme ich als Journalist natürlich auch auf eine hohe Zahl von Tastenanschlägen pro Minute. Wer langsamer und vielleicht sogar im Zwei-Finger-Adler-Such-System tippt, hat vielleicht mehr davon. Andererseits gucken Zwei-Finger-Tipper eher auf die Tastatur als den Monitor.
Alternativ kann Google auch nur einen einzigen Vorschlag machen. Ich habe das als angenehmer empfunden, weil nicht so viel Unruhe auf der Seite war. Man kann auch schneller erkennen, ob das Wort richtig ist und dann mit einem Klick auf Space auswählen. Schneller wird man damit aber nur, wenn es genau das richtige Wort ist. Hat man eine falsche Endung, braucht man länger, um zurückzugehen und die falsche Endung zu korrigieren, als das Weitertippen benötigt hätte. Nervend ist auch, dass der Cursor jedesmal ein Leerzeichen hinter ein ausgewähltes Wort macht. Oft muss man dann zurückgehen, nur um einen Punkt oder ein Komma nachzutragen. Das sollte Google schleunigst ändern.
Fazit: Gut nur bei langen Worten
Nachdem ich einige Test-Texte sowohl in normalen Webformularen als auch auf der Google Scribe-Seite ausprobiert habe, bin ich von Googles neuem Dienst doch enttäuscht. Eine Hilfe ist Scribe nur bei wirklich langen Worten. Hier kennt das Programm aber meistens nicht die richtigen Worte, kurze bis mittlere Worte tippe ich auf der anderen Seite aber zu schnell. Auch die fehlende Lernfähigkeit ist ein großes Manko. So hat Google bis zum Schluss dieses Textes als Vervollständigung für “Go” immer nur “Gott” an erster Stelle angeboten, obwohl ich zigmal “Google” geschrieben habe. Auf eine hilfreiche Wortvervollständigung wie bei OpenOffice für Webformulare muss man also weiter warten. Google hat sich hier eindeutig zu sehr auf den riesigen Statistik-Wortschatz der eigenen Server verlassen. Eine Autocomplete ohne Personalisierung scheint mir wenig Sinn zu machen.
Dieser Text wurde auf der Google Scribe-Website geschrieben.
Via GoogleWatchBlog