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Google Reader Redesign: Was lief schief?
Das Redesign des Google Readers stößt überwiegend auf Unmut. Neben dem übertrieben minimalistischen Ansatz stören sich Kritiker vor allem am lieblos angefügten Google+-Button – der immerhin jede Menge alte Features ersetzen sollte.
In der vergangenen Woche haben wir zunächt einmal wertneutral über das Redesign des RSS-Readers von Google berichtet. Schließlich hat auch Google seine Ankündigung knapp gehalten und keine Bilder veröffentlicht. Lediglich der Hinweis auf eine Verknüpfung mit Google+ ließ eine Rundumerneuerung vermuten.
Nun hat Google seinen Reader also aktualisiert und erntet dafür heftige Kritik. Das minimalistische Design liegt zwar voll im Trend, dafür bieten die vielen Weissflächen kaum Anhaltspunkte, so dass man sich ein wenig verloren fühlt. Die Verknüpfung mit Google+ besteht vor allem darin, dass die Schaltflächen nun so ähnlich aussehen wie in Googles Netzwerk.
Bekanntermaßen wurde die Reader-interne Share-Funktion abgestellt. Diesen Job sollte fortan der Google+-Button übernehmen. Leider wird nun der ganz normale Button genutzt, der sich überall einbinden lässt. Auf netzwertig.com vermisst man daher nun vor allem die längst etablierten und nützlichen Vorteile der bisherigen Share-Funktion:
Man kann nun also nicht mehr bequem sehen, was Freund X in seinem Reader empfohlen hat, sondern muss dazu auf dessen Google+-Profil gehen – und sich eben auch dessen restliche Beiträge ansehen, an denen man vielleicht derzeit überhaupt nicht interessiert ist. Eine weitere verpasste Chance ist, dass auf Google+ nicht angezeigt wird, wer einen dort verlinkten Artikel via Google Reader geteilt hat. Blogger Felix Schwenzel erkennt immerhin an, dass ein +1 im Reader der eigentliche Seite zu Gute kommt.
Aber wie konnte es dazu kommen, dass das Redesign so unfertig wirkt? Ein Antwort hat möglicherweise der ehemalige Google Reader-Projektmanager Brian Shih. Dieser hat unter anderem die Kommentierbarkeit im Reader und einige Sharing-Funktionen zu verantworten, verließ Google jedoch im Juli. In einem Blogeintrag spricht auch er von einem “Disaster”. Er bemängelt, dass der eigentliche Content zu wenig Platz findet und der visuellen Konsistenz Googles zu viel Priorität eingeräumt wurde. Ebenso bemängelt er die Share-Funktion, die nur dann gegeben ist, wenn man einen Artikel auch “pluseinst”. Auch kontroverse Artikel, die man zwar teilen möchte, denen man aber stark widerspricht, müssen nun zuvor belohnt werden.
In einem Update räumt Shih ein: Man kann Artikel auch teilen, ohne für diese ein Plus zu vergeben. Dazu muss man ganz rechts oben im schwarzen Balken, also weitab vom eigentlichen Reader, auf das Mitteilen-Feld gehen. Eine Funktion, die es schon länger auf Google+ gibt, die aber sehr versteckt und daher kaum bekannt ist.
Die Ursache für die Probleme sieht Shih darin, dass dem Reader schon zu seiner Zeit kaum Beachtung geschenkt wurde. RSS ist grundsätzlich ein Nischenthema, und der Reader hatte nie die Popularität von Google Mail oder Google News. Deswegen blieben regelmäßige Updates auch aus. Und nach Shihs Abgang wurde offenbar ein größtenteils neues Team eingesetzt, welches nicht mit dem Grundkonzept des Google Readers vertraut war.